Auf den Spuren der Pharaonen

Geschichte leben auf dem Nil

Die Lehne meiner Liege ist optimal eingestellt: ich sitze hoch genug, um die wunderbare Landschaft an mir vorüberziehen zu sehen, liege tief genug, um optimal entspannt zu sein. Der warme Wüstenwind bläst mir sanft durchs Haar. Das Sonnensegel spendet mir Schatten. Mein Buch liegt zugeklappt neben mir. Ich habe aufgegeben, zu versuchen, darin zu lesen. Zu spannend, zu schön, zu exotisch ist die Landschaft, an der wir entlang gleiten. Ich befinde mich an Deck der Iberotel Crown Empress, einem 4-Sterne-Kreuzfahrtschiff, auf dem Nil.
 
Unsere Reise auf dem Nil beginnt in Luxor, in der „Stadt der Paläste“, der größten Stadt Oberägyptens. Hier gehen wir an Bord der Crown Empress und freuen uns über ein überraschend großes Zimmer mit Fensterfront, die einen ungehinderten Blick in die Natur bietet.

Knapp 450.000 Menschen leben in Luxor. Die meisten von ihnen leben vom Tourismus.... Sie lebten vom Tourismus. Denn seit 2011, seit der Revolution in Kairo, ist der Tourismus in dieser Region quasi zum Stillstand gekommen. Die Läden sind geschlossen, die Paphyrus-Fabriken auch; es gibt keine Gäste, die Postkarten und Souvenirs kaufen. Die Tempelanlagen sind verwaist. Nur ganz ab und an fährt ein Reisebus vor, der Touristen vom Roten Meer, aus Hurghada ankarrt. Die Pferde der Kutscher, die früher Besucher über die Lande gefahren haben, sind klapprig und dürr. Ihre Halter haben kein Geld, sie ordentlich zu versorgen.

Und so winken uns die Menschen in Luxor mit strahlendem Lächeln entgegen. Sie freuen sich ehrlich über unseren Besuch. Wir sind mit der TUI angereist. Das Reiseunternehmen möchte in Zusammenarbeit mit dem Tourismusministerium in Kairo Urlauber davon überzeugen, dass es sicher ist, in diese Gegend zu reisen - und vor allem spannend: denn wer sich auch nur ein klein wenig für Kultur interessiert, kommt in diesen Breitengraden aus dem Staunen nicht mehr raus.

In Luxor befinden sich einige der wichtigsten archäologischen Stätten des alten Ägyptens: Die Tempelanlage Karnak, der Hatschepsut Tempel, das Tal der Könige, das Tal der Königinnen, die Tempelanlagen in Theben-West, das Luxor-Museum. Vor dem Ablegen unseres Kreuzfahrtschiffes gibt es viel zu sehen. Im Tal der Könige gehören die Gräber der Pharaonen uns allein. Keine Souvenirverkäufer zupfen an unseren Ärmeln, keine Touristenströme drängeln an den Eingängen. Das Tal der Könige ist in Schatten getaucht, die Nachmittagshitze weicht einem angenehm, warmen Lüftchen. Die Gräber sind allesamt leer. Grabräuber haben vor Jahrhunderten alle Schätze geplündert. Doch erzählen die Wandmalereien von einer faszinierenden Zeit und unser kundiger Führer erzählt viele spannende Anekdoten aus den Zeiten 3000 Jahre vor Christus. Im Eintrittspreis von 80 Ägyptischen Pfund ist die Besichtigung dreier Gräber inklusive. Das Grab von Tut-ench-Amun kostet extra; noch einmal 100 Pfund.

Zum Aperitif am Sonnendeck legt unser Schiff ab. Die Reise geht los, Richtung Süden, nach Esna. Wir genießen ein köstliches Abendessen an Bord. Überhaupt ist das Essen an Bord der 
Crown Empress lecker. Die Küche ist dem europäischen Gaumen angepasst, mit einem Hauch orientalischer Würze. 300 Kreuzfahrtschiffe gibt es auf dem Nil, nur knapp 10% fahren momentan die Strecke zwischen Luxor und Assuan; und sie sind nur spärlich belegt. Tourismusminister Hisham Zazou macht der langanhaltende Tourismuseinbruch schwer zu schaffen. "Natürlich habe ich Verständnis für die Reisewarnungen des deutschen Auswärtigen Amtes", erzählt er. "Doch vier Jahre Tourismuseinbruch sind genug!", plädiert er. "Wir sind ein sicheres Land. Die Menschen hier sind ausgeblutet. Wir versorgen sie mit dem Nötigsten, damit sie überhaupt etwas zu essen haben." Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnungen für weite Teile Ägyptens nun wieder aufgehoben. In Hurghada sind die Besucherzahlen fast auf dem Normalstand. Leidenschaftlich plädiert Zazou nun an die Reisenden, den Rest des Landes wieder für sich zu entdecken. Die Gewürzhändler im Bazar geben ihm recht. Sie verdienen momentan in einem Monat gerade so viel, wie früher an einem Tag. "Selbst die Einheimischen kaufen nicht ein; sie können sich die Kräuter nicht mehr leisten, weil auch sie keine Einnahmen haben", erzählen sie.

In Esna angekommen besuchen wir den imposanten Horus Tempel. Die riesige Tempelanlage lässt uns nur staunen: Wie um Himmels willen haben die alten Ägypter die riesigen Aufbauten aufeinander gebracht. "Mit Sandrampen", erzählt unser Guide, der uns jede Wandmalerei, jedes Relief erklären kann. Einige Teile der Anlage sind nach über 3000 Jahren noch so gut erhalten, dass man sich das Leben zwischen den Säulen wahrlich vorstellen kann.

Eine Nilkreuzfahrt dauert eine Woche. Gemächlich tuckert unser Schiff den Fluss hinunter, Richtung Aswan. Ein jeder Stopp, ein jeder Landgang ist eine Bereicherung. Das Leben in Ägypten spielte sich schon immer entlang des fruchtbaren Nildeltas ab. Auch die Pharaonen ließen ihre Prachtbauten und kostbaren Gräber entlang des riesigen Flusses errichten. Als die Christen das Gebiet eroberten, versuchten sie, viele Tempel in Kirchen zu verwandeln, versuchten, Wandreliefs zu zerstören, um die Spuren der fremden Gottheiten auszulöschen. Glücklicherweise gelang ihnen das nicht überall. Unsere Guides übersetzen uns zahlreiche Kunstwerke, die vom Leben am Nil zeugen, von Hoffnung und Wünschen, von feinen Opfergaben, um Gottheiten und Könige wohl zu stimmen. "Menschenopfer hat es in Ägypten nie gegeben", versichert uns ein Guide. "Sie brachten Räucherstäbchen, Trauben und andere Gaben."

 

Per Schiff das Land zu bereisen, ist eine überaus angenehme Art. Das Zimmer reist mit: Kein dauerndes Koffer ein- und auspacken. Das Personal an Bord liest uns jeden Wunsch von den Lippen ab. Im entgültigen Entspannungszustand pendle ich zwischen Sonnendeck und Zimmer, die Kamera immer griffbereit; hinter jeder Biegung des Flusses wartet ein neues, fantastisches Motiv.

 

Am liebsten würde ich wochenlang einfach gerade aus cruisen. Doch in Aswan ist Endstation. Die Staudämme verhindern eine Weiterreise. Auch in Aswan gibt es viel zu sehen, der Philae Tempel, beispielsweise. Dieser 3000 Jahre alte Tempel wurde 1979 im Auftrag der Unesco umgesiedelt, da der ursprüngliche Standort mit dem Bau des Aswan-Staudammes geflutet wurde und der Tempel damit unter Wasser stand. Stein für Stein wurde der Tempel numeriert, zerteilt und abgebaut, nur um ihn dann originalgetreu auf erhöhter Fläche wieder aufzubauen.
 
Ebenfalls besuchenswert ist das Old Cataract Hotel. Im Old Cataract mit haben schon viele Könige und andere Berühmtheiten ihren Urlaub verbracht: u.a. Winston Churchill, Prinzessin Diana, Aga Khan und seine Begum. Hier hat Agatha Christie ihren Krimi „Tod auf dem Nil“ geschrieben. Und wenn man auf der imposanten Terrasse des Cataract die Tea-Time genießt, möchte man meinen, dass Christie mit ihrem schelmischen Lächeln durch die Flügeltür kommt.

 

Wir sind fasziniert von Ägypten, von der reichen Kultur, von der malerischen Landschaft, an der wir vorüber gleiten. Wir fühlen uns sicher hier und freuen uns über das überaus freundliche Willkommen der Menschen. Eine Nilkreuzfahrt ist eine wunderbare Art, viel herum zu kommen, viel zu sehen; und das ganz stressfrei und bequem.

 

Am Abend sitze ich am Bug des Schiffes, mit einem Gläschen Wein. Gedämpfte Loungemusik von der Bar dringt zu mir nach vorne und mischt sich in das leise Tuckern der Motoren. Ich genieße den warmen Fahrtwind und suche am hell erleuchteten Sternenhimmel nach Formationen. Vom Ufer, von den Gipfeln der Palmen, rufen Vögel in die Nacht. Ein perfekter Abend. Eine perfekte Nacht. Eine wunderbare Reise; die immer weiter gehen könnte; von mir aus rund um die Welt.

 
Maria Burges, November 2014


Reiseziel Ägypten

Die optimale Reise? Verbinden Sie eine Woche Nilkreuzfahrt mit einer Woche Badeurlaub am Roten Meer. Wer ein wenig Zeit mitbringt und die „Stadt der Paläste“ vor Abfahrt des Schiffes in aller Ruhe genießen will, sollte sich das Hilton Luxor Resort & Spa gönnen.

 

Die Kreuzfahrt auf dem Nil bietet Entspannung und Kultur zur Genüge. Entlang des Nils gibt es unzählige Tempelanlagen zu besichtigen. Während der Fahrt genießt man die Ruhe und den fantastischen Blick.

 

Unsere Empfehlung am Roten Meer: Das Iberotel Makadi Beach in Hurghada.

Weitere Tipps und Infos über www.tui.de

 

Tipps zur Reise nach Ägypten

Die Menschen in Ägypten sind sehr nett, in touristischen Gebieten leider oftmals zu aufdringlich. Zwar wird den Ägyptern immer wieder nahe gebracht, dass man durch aufdringliches Werben einen Kunden nur abschreckt und nicht wirklich gewinnt. Doch verinnerlicht haben sie es leider noch nicht. Darum: wer nicht kaufen will, sollte sich die Ware erst gar nicht ansehen, sonst wird er von Händlern überrannt. Das ist natürlich schade, da ein Bummeln und Genießen im Bazar somit fast unmöglich wird.


Warnung:
Kein Geld wechseln! Einige Ägyptische Pfund Münzen sehen aus wie Euro Münzen. Der Schwindler zeigt Ihnen 5 Euro Münzen und bittet um einen Fünf-Euro-Schein. Beim Wechseln tauscht der Schwindler die Euro-Münzen gegen (fast) wertlose Pfund-Münzen aus.

 

Wie in allen moslemischen Ländern empfehlen wir, Kleidung außerhalb eines Resorts in repektvollem Maß zu wählen. In Badekleidung durch die Strassen zu schlendern ist nicht angebracht.


Die Orientalen lieben Kinder. Daher ist das Reisen mit Kindern wunderbar und kein Problem. Als Single-Frau sollte man sich unbedingt einen Ehering anstecken und in Gesprächen mit Männern erzählen, dass der Gatte um die Ecke wartet...