Aug‘ in Aug‘ mit einem Krokodil

Familienabenteuer in Salzburg

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(2012) OK. Städtereise mit Kindern. Muss man sich das geben? Sightseeing, Bummeln, Museen..... Normalerweise seilt man sich für ein romantisches Wochenende in eine Stadt ab, verbindet Zweisamkeit mit Städtesightseeing. Doch nun sind wir in Salzburg, um diese herrliche Stadt gemeinsam mit den Kids zu erkunden. Nach einer Fahrt ohne Stau nutzen wir in Salzburg eine kurze Regenpause und kehren im Augustiner Bräu ein. Hier schnappt man sich einen Steinkrug und holt sich das Märzenbier direkt vom Fass. „Ja, wir brauen unser Bier noch selber, mitten in Salzburg“, erzählt Augustiner-Chef mit Stolz. Die Schmankerl holt man sich von vielen kleinen Ständen, die vielerlei Köstlichkeiten anbieten, auch exotische.
 
Wir sind im Hotel Castellani abgestiegen, ein feines Hotel, mit durchaus erschwinglichen Preisen und einem riesigen Frühstücksbuffet. Von hier aus ist es per Taxi ein Katzensprung in die Altstadt. Fremdenführerin Astrid wird uns Salzburg ans Herz legen. Die Stadt war lange unter Bischöflicher Herrschaft, erfahren wir. Daher gibt es bei nur 150.000 Einwohnern ganze 40 Kirchen! Natürlich dreht sich hier alles um Mozart. Der Virtuose wurde hier geboren. So kann man sein Geburtshaus besichtigen, unter anderem, und: die originale Mozartkugel genießen, in der Konditorei „Fürst“. 1890 erschuf der Konditormeister Paul Fürst die Mozartkugel. „Damals erinnerte man sich gerade so an Mozart“, erzählt uns Martin Fürst, der Ur-Ur-Enkel von Paul Fürst. „Mein Ur-Ur-Opa kreierte die Kugel als Hommage an Mozart.“ Heute produziert das Haus Fürst 2,5 Millionen der Kugeln im Jahr. Köstlich schmeckt sie, die originale Mozartkugel. Viel besser als die weltweit bekannte „echte“ Mozartkugel im roten Papier, die sich die Schokoladenindustrie ausgedacht hat. „Früher, so sagt man, sollten unsere Angestellten während der Arbeit pfeifen, damit sie nicht naschen konnten“, lacht Fürst. „Heute sollen unsere Mitarbeiter kosten, quasi als Qualitätskontrolle“.
 
Im Salzburger Marionettentheater verzaubert uns allein schon das Ambiente: ein kleines Theater mit barockem Prunk und dunkelrotem Samtvorhang. Der Vorhang geht auf und zu Mozarts Zauberflöte erwachen die Puppen zum Leben. Wir lassen uns verzaubern, im Nu. Riesig groß erscheinen die Puppen, die mit geschmeidigen Bewegungen in wallenden Gewändern über die Bühne gleiten. 20 Euro kostet der Eintritt für Erwachsene, 14 Euro für Kinder. Beim Blick hinter die Kulissen sind wir baff erstaunt: die bezaubernden Puppen sind allesamt klein. „Eine optische Täuschung!“ erklären die Puppenspieler. Die Truppe ist mit Leib uns Seele bei der Sache. „Die einen nähen die Kostüme, die andern bauen die Kulissen, wir alle lieben unseren Job, es ist eine Berufung.“
 
Abendbrot-Stoppover im Stieglkeller zu Fuße der Hohensalzburg, dann fahren wir mit der ältesten Standseilbahn Österreichs zur Hohensalzburg hinauf. Burgfräulein Silke nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit: Nachtwanderung durch die Burg. Schon im ersten Zimmer, dem Salzstadl, hat Silke die Kinder auf ihrer Seite. Hier lagerte das weiße Gold, erklärt sie. „Salz!“ rufen die Kinder. Mit ihren Geschichten und Annekdoten hält Silke die Kinder in ihrem Bann. „Schscht!“ zischen sie, wenn wir „Großen“ es wagen, die Ruhe für Nanosekunden wegen einer Frage zu stören. In der Folterkammer schont Silke die Gemüter der Kids und verzichtet auf detaillierte Erklärungen, vom Turm aus genießen wir einen atemberaubenden Blick auf die Gegend: Salzburgs Altstadt auf der einen, die schönen Berge auf der andern Seite. „Gibt es ein Schlossgespenst?“ wollen die Kinder wissen. „Natürlich“, beschwört Silke. „Eine weiße Frau. Aber sie ist ein netter Geist. Ein ganz netter!“ Die nächtliche Führung durch die Burg ist ein Highlight für die Kinder. Hier darf ihre Fantasie ganz weit abschweifen. Glücklich wandern wir zu Fuß in die Altstadt hinab, ins Hotel und ab ins Bett.
 
Wetter noch immer schlecht? Na und! Am nächsten Morgen gehts ins „Haus der Natur“, einem wahrlich fantastischen Museum. Kein „Igitt, Museum!“ hören wir von den Kindern. An jeder Ecke, in jedem Stockwerk entdecken sie etwas neues. Im Eingangsbereich begrüßt uns ein brüllender Allosaurus. „Klar, dass der keine Gänseblümchen gegessen hat“, erklärt Kristina, die uns durchs Museum begleitet. Ein wenig freundlicher, aber trotzdem furchteinflössend groß ist der Iguanodon, ein Pflanzenfresser. „Wo sind sie hin, die Dinosaurier“, will Kristina von den Kindern wissen. „Ausgestorben!“ kommt die Antwort. Vor 65 Millionen Jahren stürzte ein riesiger Meteorit auf die Erde und sorgte mit einer riesigen Aschewolke dafür, dass es dunkel wurde auf der Erde. Ohne Sonne war jeglichem Leben die Grundlage entzogen, die armen Dinosaurier starben aus. „Doch welche Lebewesen stammen heute von den Dinosauriern ab?“ fragt Kristina. „Haie und Krokodile!“ weiß Sean. Richtig. Und auch die treffen wir heute im Museum, lebende! Beeindruckend. Das Krokodil ist auf Schmusekurs mit uns Besuchern. Fast scheint es so, als würde er Küsschen geben, durchs Fenster. Durch eine Brücke ist das Haus der Natur mit dem „ScienceCenter“ verbunden: einem Wunderland für Kinder. Hier heißt es „Anfassen erwünscht!“ Hier können Kinder Physik ausprobieren, Reibung testen, Klänge erzeugen, Strom erzeugen, Hebelwirkungen probieren. Besonders beeindruckt sind die Kinder vom Parcours, in dem sie ausprobieren können, wir schwer das Leben im Rollstuhl oder für Blinde ist.
 
Den Gourmet-Höhepunk erleben wir – im wahrsten Sinne des Wortes – im Restaurant M32 auf dem Mönchsberg. Mit einem Lift gehts hinauf ins Restaurant, gute 100 Meter über den Dächern von Salzburg. Der Blick ist wunderschön, das Essen ein Genuss: Geflügelconsommé mit Butterknödel, Entecote vom Salzburger Naturrind auf Spargelragout und Erdäpfel Pilzlaibchen und dann die Krönung: Gries-Nougat-Knödel mit Beerenkompott. Ein himmlischer Genuss!!!
 
Wieder am Fuße des Mönchsbergs gehen wir an Bord der „Amadeus“ und fahren flussaufwärts Richtung Hellbrunn. Am Steg steigen wir in einen britischen Doppeldeckerbus, der uns direkt zum Lustschloss Hellbrunn bringt. Lustschloss. Das Anwesen macht seinem Namen alle Ehre. Wunderschön angelegte Gärten. In der Sommerresidenz des Bischofs liebte er es, Gäste zu bewirten. An einer langen Steintafel genoss man Speisen und Wein, und wenn dem Bischof danach war, ließ er seine Gäste auf Handzeichen von oben und unten nass spritzen. Überall auf dem Gelände ließ er Springbrunnenfallen anbringen und unserem Führer Georg bereitet es sichtlich Spaß, die Gäste immer wieder in die Wasserfallen zu locken. So kreischen die Erwachsenen und stoben in alle Richtungen davon, sobald das Wasser kommt. Die kleinen kreischen vor Vergnügen und sind zum Ende des Rundganges pitschenass und mega-glücklich.
 
Auf dem Weg zurück nach Bayern machen wir noch einen Abstecher ins Salzburger Freilicht Museum. Hier wurden auf riesigem Areal 95 alte Gebäude, die irgendwo im Salzburger Land abgebaut wurden, originalgetreu wieder aufgebaut. Hier unternehmen wir eine Reise in die Vergangenheit. Unsere Muesumsführerin Margrit erzählt, dass früher in Bauernfamilien viele Kinder zur Welt kamen. „Damals hatten Kinder nicht den Stellenwert, den sie heute haben“, erklärt Margrit. „Damals wurden viele geboren, um Arbeitskräfte auf dem Hof zu haben. Die Kinder mussten alls zusammen in einem Zimmer schlafen. Heizungen gab es damals nicht. Wenn die Kinder Glück hatten, legte ihnen die Mama einen heißen Backstein unter die Decke, damit sie in ein warmes Bett schlüpfen konnten, während an den Fenstern die Eiskristalle glänzten“. „Zu Zeiten Mozarts wurden nur die Hälfte aller Kinder erwachsen“, erzählt Margrit weiter. Einen Doktor konnte man sich auf dem Land nicht leisten. Die beliebteste Behandlungsmethode damals war der Aderlass. „Heute weiß man, dass viele Leute wohl nicht gestorben wären, hätte man sie nicht so oft zur Ader gelassen.“
In einem altern Schulzimmer erzählt Margrit unseren verduzten Kindern, dass Bauernkinder früher sehr gerne in die Schule gegangen wären. Sie mussten hart auf dem Hof arbeiten, durften oftmals nicht in die Schule gehen und konnten somit weder Schreiben noch Lesen lernen. In der Schule wurde damals noch hart bestraft, mit Watschn oder Stockschlägen. „Trotzdem wollten die Kinder lieber in die Schule gehen, denn zuhause mussten sie sehr hart auf dem Hof arbeiten!“
Zum Abschluss unserer Salzburg-Reise gönnen wir uns im Freilichtmuseum noch eine köstliche Jause und eine Fahrt mit der Bimmelbahn übers Gelände. Dann geht‘s ab auf die Autobahn. Aber: wir kommen wieder! Salzburg ist nur eine kleine Reise entfernt und wir sind Fans geworden.


Maria Burges & Familie


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