Hoteltest: Birkenhof

Egal ob nötige Pause von der Familie oder vom Job: Ein Anti-Stress-Wochenende verpricht Heilung.  Eines vorweg: Ich liebe meinen Job! Aber nach einer Woche Hochleistungsstress, Unmengen an koffeinhaltigen Getränken und wenig Schlaf schreit das ganze System nur noch nach einem: Entspannung. Die letzten Male habe ich mich frei nach dem Couch-Potatoe-Prinzip eher passiv entspannt. Das Ergebnis: Ein müder Geist in einem noch müderen Körper. Diesmal, so schwor ich mir eines Nachts, wird alles anders:  Keine Couch, keine Schlafexzesse, keine Schoko-orgien, sondern aktive, sinnvolle Erholung. Das Ziel: Das Landhotel Birkenhof in Hofenstetten im Oberpfälzer Wald. In Kooperation mit der Siemens Betriebskrankenkasse können dort gestresste Menschen an drei „Entspannungstagen“ zur Ruhe kommen, den Körper bewegen und die Seele baumeln lassen. Schon der erste Anblick läßt Vorfreude aufkommen: Strahlender Sonnenschein, sanfte Hügelketten und die Opferpfäzer Seenlandschaft schaffen einen perfekten Rahmen für das wunderschöne Vital Ressort. Auf dem Balkon meines gemütlichen Zimmers lege ich erstmal die Beine hoch und ertappe mich erstaunt beim ersten Nichtsdenken seit Tagen. Wenig später sitze ich mit einer entspannungshungrigen Gruppe im hoteleigenen Seminarraum: Auffällig: Gleich drei Mutter-Tochter Paärchen und nur ein einziger mutiger Mann – der sich aber so allein unter Frauen ganz wohl zu fühlen scheint. Der erste Nachmittag ist dem Thema Ernährung und Entspannungstechniken gewidmet. Der Internist Dr. Hartl erklärt: „Die Basis für ein ausgeglichenes Leben ist die Ernährung“. Und: Auch Nahrung kann Körper und Seele stressen, zum Beispiel wenn der Säure-Basen Haushalt aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Folgen: Geringe Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Stimmungstief oder Bluthochdruck. Um auch hier einen Ausgleich zu schaffen, empfielt Dr. Hartl die Halbe-Pfund Regel: „Jeden Tag je ein halbes Pfund Brot, Reis oder Nudeln, Obst und Gemüse essen und pro Woche ein halbes Pfund Fleisch, Fisch oder Wurst - dann ist der Säure-Basen Haushalt im grünen Bereich.“ Im Anschluss geht‘s thematisch ins Feindesland: Ursachen und Auswirkungen von Stress: Stress entsteht durch äußere Einflüsse, den sogenannten Stressoren, die den Körper und die Seele in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft versetzen: Stressoren können überall lauern: Im Job, in der Familie und in der Freizeit. Waffen gegen Stress gibt es viele: Techniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (der bewussten An- und Entspannung des ganzen Körpers) oder Meditation helfen beim Loslassen und beim Entspannen. Ich entscheide mich für Autogenes Training: Locker sitzt oder liegt man und führt sich selbst in eine Art Hypnose, indem man mental Schwere und Wärme in die Arme und Beine schickt. Und wirklich: Meine Glieder werden schwer, ich atme ganz ruhig, bin total entspannt und schließe die Augen. Ich wache erst auf, als ich sanft vom Stuhl kippe…  Nachdem sich alle Teilnehmer aus dem angenehmen Halbschlaf geräkelt haben, wartet die exzellente und preisgekrönte Küche des Hotel Birkenhof mit dem Abendessen auf: Ein dreigängiges Schlemmermenü mit einem ausgezeichneten und liebevoll arrangiertem Vitello Tonnato, zartem Zander an Bärlauchschaum und einem Dessert, das einen alle Kaloriengedanken in Sekundenschnelle vergessen läßt. Natürlich genehmigen wir uns ein schönes Gläschen Weißwein zum Essen, denn Wein ist ja sehr gesund und - wir erinnern uns an Dr. Hartl - auch säureausgleichend... Völlig im Basen-Säuren-Gleichgewicht treffen wir uns nach dem Essen im Wellnessbereich des Birkenhofes. Ein Traum! Dampfbad, Farbtherapie, Wärmebad und ein wunderschöner asiatisch gestalteter Ruheraum mit einem Meerwasseraquarium. Es erwartet uns ein wirkliches Highlight: Ein fast einstündiges Klangschalenkonzert, das Blockaden abbauen und Seele wieder ins Gleichgewicht bringen soll: Sanft schlägt der Wellness- und Massageexperte Mirko U. Berger die Schalen an. Die Töne schwingen durch den Raum und hallen sanft im Körper nach. Einer nach dem anderen fällt auf den bequemen Liegen in einen Halbschlaf. Zwischen den Klangwolken geht Mirko Berger von Liege zu Liege und streift mit einem Edelstein entlang der Energielinien die Arme und Beine aus. Ich spüre ein angenehmes Kribbeln. Eine andere Teilnehmerin erzählt nachher: „Ich hatte seit Tagen wieder einmal warme Füße.“ Nach dem Konzert gehen alle leicht schwebend ins Bett.  Der nächste Morgen: Ich erwache sehr ausgeruht und ohne Weckerklingeln - und damit leider zu spät für die morgendliche Aquagymnastik. Beim Frühstück erzählen mir die Teilnehmerinnen Franziska und Kathrin begeistert, was ich alles verpasst habe. Und überhaupt: Nach Frühsport schmecke das Frühstück einfach besser! Ich nicke, gelobe reumütig Besserung und esse mein Rührei. Nach dem Frühstück steht ein Vortrag von Frau Dr. Petra Schwarzer zum Thema Streßbewältigung auf dem Programm: Frau Schwarzer versprüht gute Laune und zeigt uns Wege aus der Streßfalle: „Jeder reagiert anders auf Stress, aber es gibt ein paar Tricks, wie man Stress minimieren kann: Im ersten Moment hilft  tief durchzuatmen und zu überlegen, ob man an der Situation etwas ändern kann. Wenn nicht können auch Taktiken wie Ignorieren und Ausweichen helfen. Auch gut: Hilfe suchen oder delegieren. Ebenso wichtig wie die richtige Reaktion auf den Stressor ist ein positiver Umgang mit sich selbst und ein gutes Umfeld. „Unsere Vorfahren“, erzählt Petra Schwarzer, „gerieten in Stress, wenn ihnen ein großer Bär gegenüberstand. Wir dagegen haben es täglich mit vielen kleinen Stress-Gummibärchen zu tun. Stellen Sie sich einfach vor, Sie schnippen die kleinen Stressfaktoren einfach weg.“ Dieses Bild löst natürlich Gelächter aus. Sehr gut! Denn Lachen ist Streßkiller Nummer 1. Streßkiller Nummer 2 ist Bewegung und Sport, in unseren Fall „Nordic Walking“. Trainerin Conny erklärt: „Nordic Walking ist unglaublich: Es trainiert gelenkschonend Beine, Po und Arme und ist für jede Altersgruppe geeignet. Ideal ist auch die Fettverbrennung beim Walken - in Kombination mit der Wassergymnastik eine Garantie für eine gute Figur.“ Und schon geht´s los. Am Anfang verheddern sich die Stöcke zwar noch zwischen den Füßen, aber bald walken wir fröhlich über die Felder. „Schaut Euch die schöne Landschaft an“, mahnt Conny, wenn die Gruppe zu sehr die Aufmerksamkeit auf die Füße konzentriert. Immer wieder streut Conny Partnerübungen ein, die uns Zeit zum Verschnaufen geben. Dass die Stockspitze eines Mitstreiters dabei mein Hinterteil pikst, habe ich meiner eigenen Grobmotorik zu verdanken. Nach 2 Stunden bergauf und bergab kommt der Birkenhof wieder in Sicht und siehe da: Überall nur zufriedene, lächelnde Gesichter. Conny grinst „Das sind die Endorphine, deswegen macht jeder Nordic Walker ein freundliches Gesicht.“ Wieder im Hotel zieht es mich und meine Endorphine zuerst in den Whirlpool - Muskeln pflegen. Beim Abendessen macht sich dann mein täglicher Job am Computer bemerkbar: Ich habe einen höllischen Muskelkater. An diesem Abend ist jede Treppe mein persönlicher Feind. Trotzdem stehe ich am nächsten Morgen wie versprochen am Pool. Im Pool kann ich als unterdurchschnittlich großer Mensch nicht stehen. Trainerin Gabi verteilt „Poolnudeln“ aus Schaumstoff. Nacheinander werden Arme, Beine und der Gleichgewichtssinn trainiert. Der Wasserwiderstand erhöht den Trainingseffekt und macht die Bewegung schonender. Zur Belustigung der Gruppe stellen manche Übungen für mich eine echte Herausforderung dar. Ich trete also fleißig Wasser und versuche, meine gelbe Poolnudel unter Kontrolle zu bringen. Wie gesagt, Lachen baut Stress ab. Übrigens: Die Frühsportvertreterinnen Kathrin und Franziska tauchen erst zum Frühstück auf. Die letzte Einheit der Entspannungstage: Stretching und Dehnübungen für Muskeln, Rücken und Hals. Eine besondere Wohltat: Die Partnermassage mit dem Igelball, der sanft über den ganzen Körper gerollt wird.  Dann heißt es langsam Abschied nehmen vom Birkenhof, der fantastischen Küche der traumhaften Umgebung und der – mittlerweile - total entspannten Gruppe. Alle sind hochgradig begeistert: In der kurzen Zeit von 2 Tagen haben wir unglaublich viel über Stressbewältigung erfahren und alltagstaugliche Tipps und Übungen kennengelernt. Ein großes Lob gilt auch den, wie es eine Teilnehmerin formulierte: „jungen, zukunftsorientierten, dynamischen, netten und motivierten“ Trainerinnen und Referentinnen. Was mich betrifft, haben die Entspannungstage genau das bewirkt, was ich mir erhofft hatte: Einen freien Kopf, einen reanimierten Körper und Ruhe in der Seele. Der nächste Arbeitsstreß kann kommen!

(03. November 2008)

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