Verstehen lernen

Ein Austauschjahr in Finnland

Ich heiße Sophia und bin 18 Jahre alt. Ich wohne in Regensburg und habe 2013 meinen Realschulabschluss geschrieben, jetzt bin ich seit 7 Monaten in Finnland. 

 

Wo? In Finnland. Ja, Finnland liegt noch in Europa, ganz oben rechts. Neben Russland. Es ist ein großes Land mit wenig Leuten und viel Natur - es ist das „Land der tausend Seen“.

 

Ich verbringe hier 11 Monate, gehe in eine finnische gymnasiale Oberstufe und lebe bei einer Gastfamilie. Angekommen bin ich im August in Helsinki und anschließend zu meiner Gastfamilie nach Tampere gezogen.

 

Ich lebe bei meiner Biolehrerin Anu und ihrem Mann Jan und fühle mich sehr wohl. Ich habe drei jüngere Gastbrüder, Felix, Aksel und Oskari. Wir wohnen etwas außerhalb von Tampere auf einem alten kleinen Hof mit viel Feld und Wald drumherum.

 

Tampere ist ungefähr so groß wie Regensburg und die drittgrößte Stadt Finnlands. Sie liegt im Süden, in der Mitte von zwei großen Seen. Mir gefallen die vielen alten, riesigen Fabrikgebäude aus Ziegelsteinen, in denen jetzt Kinos und gemütliche Cafés untergebracht sind.

 

Meine Schule „Sammon Keskuslukio“ liegt im Stadtzentrum und ist eine moderne, große Schule mit ca. 1000 Schülern.

 

Das finnische Schulsystem, das bei der PISA-Studie so gut abschneidet, hat auch mich überzeugt. Beim Lernen werden den Schülern sehr viele Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Kursen und Leistungsgraden angeboten, so dass jeder individuell nach seinen Stärken lernen kann. Außerdem bietet die Schule jeden Tag ein kostenloses Mittagessen für ihre Schüler! Mir schmeckt es meistens sehr gut, denn es gibt immer Salat und auch etwas Vegetarisches. Dadurch will man den Schülern auf direktem Weg die gesunde Ernährung näher bringen.

 

Finnland ist ein zweisprachiges Land (finnisch und schwedisch), aber in meiner Umgebung wird nur Finnisch gesprochen. Finnisch ist mit ihren 15 Fällen eine sehr schwierige Sprache. Ich hatte vor meiner Ankunft nur einige wenige Vokabeln gelernt und hier nun einen Sprachkurs belegt. Mittlerweile verstehe ich aber schon sehr viel und unterhalte mich auch auf finnisch – darauf bin ich sehr stolz.

 

Anfang September bekam ich dann die Möglichkeit nach Lappland, also in den Norden Finnlands, zu fahren. Mit dem Biologiekurs unserer Schule verbrachte ich 5 Tage in Kilpisjärvi, dort sind wir gewandert und haben gezeltet. Die Natur ist wunderschön karg, es gibt riesige Seen und kleine Birkenwäldchen, Flechten am Boden. Das war für mich eine ganz besondere Erfahrung!

 

Der Winter war auch sehr schön hier, wir hatten bis zu -24°C und alle Seen sind gefroren. Zeit für Ski- und Schlittschuhfahrten, über den See oder in den Wald, zusammen mit meiner Freundin Olga (auf dem Foto rechts)!

 

Aber auch dieses Jahr ist ein warmes Jahr in Finnland und mittlerweile blühen schon die ersten Krokusse - aber morgens sind die Pfützen noch gefroren...

 

 

Wie funktioniert das nun eigentlich – ins Ausland gehen?

 

Ich bin unterwegs mit der Organisation Youth For Understanding e.V., kurz YFU. Dieser Verein wurde 1957 gegründet und hat bereits über 50.000 Schüler ins Ausland in über 50 Partnerländer geschickt.

 

Besonders ist, dass YFU auch viele Stipendien vergibt, so dass wirklich jeder die Möglichkeit bekommt, ins Ausland zu gehen. Auch ich bin durch ein regionales Stipendium nach Finnland gekommen, das mir von der Regensburger Firma Aumüller Druck verliehen wurde.

 

Ich finde es großartig, dass YFU in Kooperation mit vielen Unternehmen Stipendien für Schüler vergibt, die sich anderweitig das Jahr nicht finanzieren könnten. Auch die Betreuung durch die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter ist klasse, motivierend und die Seminare machen wirklich Spaß.

 

 

Mir bleiben noch 4 Monate und ich freue mich auf jeden Tag. Ich sehe es als eine große Chance, Sachen zu lernen, die ich anderswo nicht werde lernen können. Worum es mir geht? Um unterschiedliche Kulturen, internationale Bildung, aber vor allem Toleranz und Anerkennung – und um die Frage „Wer bin ICH eigentlich?“

Sophia Höchstädter