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Fantastisches Reitabenteuer an der Westküste Irlands

Anfang Juni 2015

Langsam tuckelt unser Van über enge, hügelige Wege. Wir scheinen weit ab jeglicher Zivilisation, inmitten der wunderschönen Berge Connemaras mit seinen goldenen Hügeln im Westen der Grünen Insel. Tom, der Fahrer, hatte uns am Vormittag in Galway aufgelesen, mit einem schelmischen Grinsen und den Worten „Reiten ist heute abgesagt!“. Fast wünschten wir uns, er habe Recht. Denn es stürmt fürchterlich und der Regen peitscht waagerecht. Nach rund zwei Stunden Fahrt halten wir irgendwo auf einer Seitenstrasse, einem Feldweg. Im Windschutz einiger Bäume entladen wir unsere Pferde, die Willie und sein junger Helfer Lee von Willies Pferdehof Dartfield hierher in den Westen Irlands gebracht haben. Seine Pferde sind unsere Weggefährten, eine Woche lang. Willie Leahy, weltberühmter Besitzer des riesigen Gestüts und Reitstalls DARTFIELD, wird uns sein Irland zeigen, hoch zu Ross; sein geliebtes Connemara, das er hunderte Male mit seinem Pferd erkundet hat und wo er wohl jeden Fels, jeden Bach und jedes Moorloch kennt.

 

Wir sind eine kleine Truppe Reiter verschiedener Nationalitäten und unterschiedlicher Erfahrungsstufen: Jackie aus New York, Kathy aus Manchester und einige Teilnehmer aus Deutschland. Unser erster Tag fordert all unseren guten Willen, jedem Wetter zu strotzen. Eisige Sturmböen fegen uns fast vom Pferd, der Regen ist heute gemein. Am Ende des Tages wird Willie uns loben: Fast hätte er den Ritt heute abgesagt, denn das Wetter forderte sogar ihn als hartgesottenen Iren heraus. Tapfer folgen wir Willie über Feldwege, vorbei an Schafherden, Hügel hinauf und hinunter, Küstenstraßen entlang. Ich liebe diese Ecke Irlands. Connemara ist ein einzigartiges Paradies. Heute können wir die raue Schönheit nur ab und an genießen. Zu sehr ducken wir uns vor dem grässlichen Unwetter. Zum Ende unseres Ritts klart der Himmel ein wenig auf. Wir reiten in tiefe Wildnis hinein und lassen die Pferde auf einer wunderschönen Weide frei. Stolz stoben sie davon. Hier werden wir sie morgen zum Weiterritt wieder einfangen. Auf uns wartet in unserer Bleibe eine besonders heiße Dusche, ein warmes Essen und ein feines Glas Guinness.

 

Am nächsten Tag werden wir für den harten Testlauf vollends entschädigt: Connemara zeigt uns seine schönste und faszinierende Seite. Die Sonne drängt sich durch die Wolkenfront und Willie nimmt uns auf eine Reise mit, die keiner von uns vergessen wird. Wir reiten durch einen märchenhaften Wald, an vielen stillen und tiefen Buchten vorbei. Die einzigen Wesen, die wir treffen, sind einige verlorene Shafe. Schließlich reiten wir in die Berge der „Twelve Pins“. Unsere Pferde klettern steile, felsige Wege hinauf, die reißender Regen in die Berge gefräst hat.

 

Ab und an stockt uns der Atem. Niemals würden wir uns normalerweise mit Pferden über solches Gelände trauen. Wir folgen Willie und vertrauen ganz auf das Gespür unserer Pferde. Vorsichtig fühlen sie sich den Berg hinauf, balancieren auf Steinen, suchen im tiefen Matsch den optimalen Halt. Unwegsam sind unsere Wege. Der anfänglichen Anspannung ob der manchmal steilen Stellen weicht langsam einer tiefen Verbindung zu unseren Pferden. Wir lassen ihnen die Zügel lang, damit sie den besten Weg frei wählen können und nehmen sie gerade so kurz, dass wir sie beim Stolpern auffangen würden. Warum wir die steilen, felsigen Hänge entlang klettern und nicht übers weite Steppenfeld reiten, frage ich Willie. „Nun, wenn wir über die Wiesen reiten würden, würden unsere Pferde im Nu bis zum Bauch im Moor stecken“, erklärt er. Denn die vermeintlich weiten Grasflächen sind tiefes, schlammiges Gebiet, aus der man eingesunkene Pferde nur schwer bergen kann.

 

Das Reit-Abenteuer bringt Pferd und Reiter sehr nah. Ich fühle mich auf meinem Connemara-Pony „Snowball“ sehr wohl und Tochter Shannon hat sich längst in ihr „Chocolate“ verliebt. Connemara-Ponys sind zuverlässige Pferde, robust, lauffreudig, lernbegierig. Noch ein Hügel und die Belohnung ist überwältigend: Eine Aussicht auf ein Gelände, wie wir es aus Feen- und Kobold-Filmen kennen; der weite Blick über die Connemara Berge und Buchten, wunderschön kupferne Farben, blaues Wasser, ein stürmischer Himmel, an dem der Westwind Wolken vor sich her jagt.

 

Ganz weit in der Ferne mache ich Lee’s Geländewagen aus. Es wird noch eine Stunde dauern, bis wir ihn über unwegsames Land erreichen. Bis wir dort sind, haben wir alle einen Bärenhunger. Lee hat im Land Rover Verpflegung dabei. Wir satteln die Pferde ab, nehmen ihnen Trensen ab und lassen sie laufen. Auf freiem Gelände. „Und wenn sie wegrennen?“ frage ich Willie. „Nun, dann haben wir eine neue Herausforderung“, lacht er mich an. „Wir brauchen doch jeden Tag eine neue Herausforderung, oder? Sonst lohnt es sich doch gar nicht aufzustehen“. Willie vertraut seiner Herde. Sie bleibt in Sichtweite, grast zufrieden, während wir im Wind versuchen, Brote zu belegen. Um die Pferde wieder einzufangen treiben wir sie in eine Landzunge der wunderschönen Bucht. Hier lassen sie sich trensen und zurück führen. Bevor der Ritt weiter geht beschlägt Lee einige Hufe. Die Eisen waren im Morast stecken geblieben.

 

Der nächste Tag wird ein irischer Sommertag. „Alle Jahreszeiten in einer Woche“, lacht Lee. „Von eiskalt bis sommerwarm! Das gibt es nur in Irland!“ Der junge Ire kennt Willie seit seiner Geburt. „Willie hat meine Oma immer besucht, auf eine Tasse Tee und Kekse. Als ich dann ein kleiner Bub war, stand ich schon immer am Fenster und wartete, bis Willie endlich kam.“ Heute ist Lee Willies rechte und linke Hand bei den Trecks durchs Land. Er hilft am Morgen, die Pferde einzufangen, er hilft unerfahrenen Gästen, die Pferde zu satteln. Er trifft uns jeden Mittag an einer neuen atemberaubend schönen Stelle mit Proviant zum Picknick, er beschlägt die Pferde, da sie im wilden Land durchaus oftmals ein Eisen verlieren. Heute reitet Willie mit uns an den Strand hinunter. „Es ist Ebbe“, ruft er. „Wir reiten auf die Insel hinüber.“ Willie zeigt auf einen weiten, weißen Strand und eine Erhebung am Horizont. „Finish Island“, erklärt er. „Wir müssen uns beeilen“, erklärt er. „Wenn die Ebbe kommt, müssen wir die Nacht auf der Insel verbringen.“ Los geht’s auf den wunderschönen, weißen Strand. Wer braucht die Caribik, wenn man das haben kann, denke ich mir. Unsere Pferde waten durchs Meer, hinüber auf die Insel. Finish Island ist Irland, wie man es aus dem Bilderbuch kennt. „28 Familien wohnten früher hier“, erzählt Willie. „Sie flohen aus Irlands Osten hierher, als die Engländer ihr Land konfiszierten und ihnen alles nahmen. Sie führten ein einfaches, armes Leben, denn zu Essen gab es wenig und viel zu wenig Land um vom Vieh zu leben“. Ruinen der steinernen Häuser erinnern an das karge Leben hier. Die Strohdächer sind längst eingefallen. „Hier war die Schule“, zeigt Willie uns. Die Familien mussten die Insel irgendwann verlassen. Die irische Regierung siedelte sie aufs Land zurück. „Nur eine alte Frau weigerte sich, die Insel zu verlassen“, erzählt Willie. „Sie war hier geboren worden, hatte nie ein paar Schuhe getragen und war nie am Festland gewesen. Erst nach langem Zureden willigte sie ein, ihre Heimat zu verlassen; und unter einer Bedingung: wenn sie ihre geliebte Gans mitnehmen dürfe, so die Sage.“

 

Heute ist die Insel verlassen, menschenseelenleer. Eine Herde neugieriger Kühe und Kälber glotzt uns Eindringlinge an. Kühe am weißen Strand.... Auch nicht schlecht, denke ich mir. Am weißen Strand lassen wir den Pferden freien Lauf und fliegen im gestreckten Galopp über den Sand. Wieder und immer wieder. Unsere Pferde sind heiß. Sie wollen rennen. Und wir haben maximalen Spaß. „Yeah!“ Jeder unserer Reiter ist selig. Nichts kann dies toppen: im Galopp über den weißen Strand der Grünen Insel, rundum wunderschöne Natur.

 

Und doch hat Willie noch ein iTüpfelchen für uns parat. "Wir gehen jetzt schwimmen!" Bei durchaus chilligen Temperaturen werden die Pferde abgesattelt, Shorts und Schwimmzeug angezogen, und ab gehts in die kühlen Fluten. Das "Iiiiiiiiiihhhhh, ist das kaaalt!" verstummt im Nu. Zu viel Spaß macht es, mit den Pferden zu schwimmen. "Go on! Go on!" motiviert Willie seine Pferde vom Strand aus. Lee reitet voran. Alle folgen ihm vergnügt. Kann man strahlende Gesichter toppen? "Das muss jeder mal im Leben gemacht haben", lacht Willie.

 

Jeder einzelne Reittag ist ein Highlight für sich. Jeder Tag ist anders. Jeden Tag bringt Willie uns ein Irland nahe, das wir sonst nie erleben würden. Kathie aus Manchester kommt seit Jahren einmal im Jahr hierher, um mit Willie zu reiten. "Ich war schon überall auf der Welt Reiten, u.a. in Südafrika. Doch hier zieht es mich immer wieder hin. Willies Reisen sind einzigartig", schwärmt sie.

 

Von Montag bis Freitag reiten wir jeden Tag, den ganzen Tag. Jeden Tag über ein neues Gelände. Jeden Abend lassen wir die Pferde auf einer neuen Weide laufen. Tom bringt uns in unsere Herbergen: ein Bed & Breakfast und ein Hotel (je nach Wahl). Jeden Morgen fangen wir unsere Pferde wieder ein und die zauberhafte Reise geht weiter. Der Samstag ist für Dartfield reserviert. Auf Willies riesigem Reitgelände östlich von Galway kann sich jeder nach eigenem Reiterfahrungsgrad probieren: es gibt weite Galoppstrecken, viele Hindernisse, hohe und niedrige. Bei leckeren Sandwiches und einem heißen Grog kann man dann die wunderbare Woche Revue passieren lassen. Es ist eine Bereicherung, diesen charismatischen Pferdeliebhaber Willie kennen lernen zu dürfen. Seit seinem 10ten Lebensjahr gehört seine Leidenschaft ganz den Pferden (siehe auch Reportage über Willie). Willie und sein Gestüt sind weltweit bekannt. Dennoch führt er jeden Reit-Trail ganz persönlich an. „Jemand anheuern, um mit den Gästen zu reiten? Kommt für mich nicht in Frage! Ich liebe es.“ Das merkt man. Willie liebt Pferde über alles. Er liebt es zu reiten, „egal bei welchem Wetter!“ Willie ist ein verzaubernder Botschafter Irlands. Wir kommen wieder!

 

Autorin Maria Burges

mit "ihrem" Snowball.


Infos:

Dartfield Connemara Trails: Montag bis Freitag Reiten in Connemara & Samstag Reiten in Dartfield. Unterbringung im Bed & Breakfast oder im Hotel. Jeder Trail ist anders.

Kleidung:
In Irland herrscht beim Reiten Helmpflicht. Unbedingt wind- und regenfeste Reitbekleidung immer dabei haben und Helmunterzieher gegen kalte Ohren.


Willies Wunsch:
Beim Treck immer in einer Linie hinter dem Vordermann reiten, nicht vom Weg abweichen, da die Pferde sonst im Morast stecken bleiben könnten.

 

Jacken aus- und anziehen nur nach Absteigen vom Pferd, da flatternde Jacken Pferde erschrecken könnten. Um die Hüfte gebundene Kleidung unbedingt mit doppeltem Knoten sichern, damit sie nicht davon fliegen und die anderen Pferde erschrecken.


Buchung & Infos

Dartfield Horse Museum

& Heritage Centre

Kilrickle, Loughrea,

Co. Galway, Ireland

Tel.: 00353-91-843968

Email: info@dartfield.com

www.connemara-trails.com


Video zum Reitabenteuer ansehen....
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Der Weg ist das Ziel. Unfassbar tolle und spannende Reitwege im wunderschönen Westen Irlands.
Der Weg ist das Ziel. Unfassbar tolle und spannende Reitwege im wunderschönen Westen Irlands.
Lee trifft uns mit seinem Geländewagen zum Picknick. Er hat die Verpflegung dabei.
Lee trifft uns mit seinem Geländewagen zum Picknick. Er hat die Verpflegung dabei.
Willie & Lee beim Lunch-Break
Willie & Lee beim Lunch-Break
Zum Picknick-Lunch lassen wir unsere Pferde im weiten Gelände frei laufen.
Zum Picknick-Lunch lassen wir unsere Pferde im weiten Gelände frei laufen.
Connemara. Zu schön.
Connemara. Zu schön.
Wenn ein Huf im Moor verloren geht, wird das Pferd bei der nächsten Pause von Lee versorgt.
Wenn ein Huf im Moor verloren geht, wird das Pferd bei der nächsten Pause von Lee versorgt.
Willie. Charismatischer Chef des Dartfield-Reitstalls ...
Willie. Charismatischer Chef des Dartfield-Reitstalls ...
und unser Weggefährte während der magischen Reise durch Connemara.
und unser Weggefährte während der magischen Reise durch Connemara.
Connemara....
Connemara....
wunderschöner Naturpark
wunderschöner Naturpark
mit unzähligen Hügeln, Bergen und Buchten
mit unzähligen Hügeln, Bergen und Buchten
Begegnung der irischen Art. Ein Eselchen wundert sich...
Begegnung der irischen Art. Ein Eselchen wundert sich...
Ebbe! Übers Watt hinüber ...
Ebbe! Übers Watt hinüber ...
nach Finish Island.
nach Finish Island.
Willie zeigt uns die verlassene Insel.
Willie zeigt uns die verlassene Insel.
Die einstige Schule der Insel.
Die einstige Schule der Insel.
Galopp am weißen Sandstrand.
Galopp am weißen Sandstrand.
Das verdiente Picknick mit Blick aufs Meer.
Das verdiente Picknick mit Blick aufs Meer.
Schwimmen mit Pferden. Lee voran.
Schwimmen mit Pferden. Lee voran.
Ein unvergessliches Reitabenteuer!!
Ein unvergessliches Reitabenteuer!!