Neuseeland

Eine Sehnsuchtsreise ans andere Ende der Welt

Claudia Hannes mit ihrem Mann Zak und den Kindern Emily und Dominik unterwegs in Neuseeland

Eigentlich wollten wir ja der Sehnsucht mit dieser Reise ein Schnippchen schlagen. Na ja, eher haben wir nun eine neue große Sehnsucht geweckt: den Wunsch, etwas derart Wundervolles nochmals erleben zu dürfen! In Neuseeland hat bereits so manch einer sich selbst und Antworten auf die großen Fragen des Lebens gesucht und gefunden. Diesem Mythos waren wir auf der Spur;  und tatsächlich: Immer wieder durften wir erfahren, was wahre Glücksmomente sind und wofür es sich wirklich und wahrhaftig gelohnt hat, den Gürtel vorab enger zu schnallen und samt Kindern eine solche Reise ins Unbekannte zu unternehmen. Am andern Ende der Welt wurden wir belohnt mit überwältigenden Gefühlen gegenüber einer paradiesischen Natur und den wohl freundlichsten Menschen, die uns je in der Fremde begegnet sind. Die Kinder haben es wohl ähnlich empfunden, denn ihre Gelassenheit und Ausgeglichenheit während dieser unvergesslichen vier Wochen war für uns Beweis genug, dass diese Reise auch ihnen viel gegeben hat. Auch sie konnten staunen, bewundern und vor allem jede Menge Zeit mit ihren sonst immer recht beschäftigten Eltern verbringen. Wir konnten ausgiebig wie nie zusammen kuscheln, malen, lachen, Malzeiten improvisieren, Steintürme und Holzhütten bauen und dabei jede Sekunde einfach nur genießen. Gemeinsam, fest zusammenhaltend und stets begleitet von fantastischen Landschaften sowie von unserem gemütlichen Schneckenhaus in Form eines Alkoven-Campers, der ermöglicht hat, überall dort zu Hause zu sein, wo man den Motor gerade abstellt. Kurzum, es war eine Traumreise, die sicher noch lange Zeit nachklingen wird.

Claudia Hannes mit ihrem Mann Zak und den Kindern Emily und Dominik
Claudia Hannes mit ihrem Mann Zak und den Kindern Emily und Dominik

Familienprojekt Neuseeland
Die erste und alles entscheidende Frage stand natürlich erst mal sehr lange im Raum: Neuseeland mit kleinen Kindern (4 und 6 Jahre) – geht das überhaupt? Macht es Sinn, mit Kinder soweit zu reisen und ist es bezahlbar? Diese Frage hat uns viele Monate beschäftigt und wurde allzu oft mit ‚Nein‘ beantwortet. Nun haben wir uns aber doch zum klaren ‚Ja‘ durchgerungen. Müssen andere Finanzprojekte eben warten, wir tun’s! Jetzt. Denn bald wird die Große eingeschult.... Mit einem schulpflichtigen Kind lässt es sich in der Neuseeland-Reisezeit von Januar bis April (im Sommer ist dort tiefster Winter) schwerlich mehr als zwei Wochen davonstehlen und das ist uns hinsichtlich Entfernung und Kosten schlichtweg zu kurz. Uns war klar: wenn exotisch, dann mit Kindern am besten nach Neuseeland. Hier gibt es nämlich außer einer einzigen, selten gesehenen Spinnenart keinerlei gefährliche Tiere. Und als äußerst kinderfreundlich sind die Neuseeländer auch bekannt, ebenso wie Neuseeland hinsichtlich Kriminalität als sicher gilt. Also – klare Sache, das wagen wir!

Die Reise
Gestern haben wir tatsächlich gebucht. Ich glaub’s noch nicht. Nun wird’s ernst: Caravan buchen, eine Route planen .... Down-Under.

Große Aufregung vor dem Abflug. Wird auch alles klappen? Hoffentlich sind und bleiben die Kids nach allen Erkältungen (gerade Mittelohrentzündung überstanden) gesund, bis wir in den Flieger steigen.

Tatsächlich, wir sind gestartet. Der Flug war super und unsere Sorgen hinsichtlich der vielen Stunden in der Luft doch letztendlich unbegründet. Singapur Airlines bietet einen prima Service. Entertainment ohne Limit und so vergeht die Zeit nach Singapur (11 Std.) sprichwörtlich wie im Flug. Ankunft frühmorgens – sehr müde und zerknautscht (zu Hause wäre es aufgrund 6 Std. Zeitverschiebung tiefste Nacht und wir würden uns noch feste in unsere Kissen graben), aber voller Vorfreude auf zwei Tage Erkundungstour durch den Inselstaat. Singapur ist fantastisch, lecker, freundlich, tropisch, umwerfend. Diese Stadt wäre selbst schon eine Reise wert. Spätestens die Lichterdrachen während des nächtlichen Hafenlichtspiels haben auch unsere beiden Mäuse überzeugt. Trotzdem freuen wir uns nun auf die Weiterreise. Neuseeland wir kommen!

Die Ankunft
Wie prima unsere beiden Jetlag und den wiederum 11 Stunden dauernden Flug nach Christchurch (Südinsel), gemeistert haben! Da sind wir nun also. Und tatsächlich: als erstes fallen uns diese langgezogenen, nicht enden wollenden Wolken auf. Aotearoa, das „Land der langen weißen Wolke“, wie die Ureinwohner, die Maori, es nennen. Wir sind müde. Und glücklich endlich da zu sein.

Bereits über das Auswärtige Amt wussten wir’s, aber traurig war’s dann doch, Christchurch, das vom Erdbeben 2011 im Herzen getroffen wurde, zu erkunden. Die noch in unserem Reiseführer beschriebenen Sehenswürdigkeiten gibt es allsamt nicht mehr. Daher holen wir am Tag zwei in Neuseeland nach einer Nacht im Motel schnell unseren Camper ab, decken uns bei Pack’n Save mit Proviant ein und los geht unser Roadtrip… Der Linksverkehr hat zwar durchaus seine Tücken, aber trotz riesen Wohnmobil meistern wir auch das. So und nun ist also unser United Campervan erstmal unser zu Hause. Und was für eins!

In diesem Wohnwagen lebten die Hannes'
In diesem Wohnwagen lebten die Hannes'



Südinsel – Natur pur
Gletscher, Berge, Seen, Fjorde und jede Menge gut gelaunter Delphine… Abschalten, das kann man hier. Allein die akustische Untermalung in diesen zumeist entlegenen Gegenden ist unvergleichbar. Selbst die Vögel scheinen hier entspannter zu sein, als zu Hause. Ihr Gesang lädt ein zum Zurücklehnen und Chillen. Was für ein Paradies! Wir cruisen an Bergketten und Landschaften vorbei, wie sie Peter Jackson in „Herr der Ringe“ so sensationell eingefangen hat. Wir werden Monate lang von diesen Eindrücken zehren.

Immer schon war es mein Traum, mit Delphinen zu schwimmen. Wie schön! Welch eine Faszination! Und auch die Kinder sind verzückt von all diesen wild das Boot umkreisenden Meeresbewohnern. Die Delphine schlagen Saltos, haben offensichtlich selbst jede Menge Spaß dabei, diese seltsamen, schnorchelnden touristischen Möchtegern-Fische zu beschnuppern. Und auch hier wieder ein Panorama, wie man es sich schöner nicht ausdenken könnte: Berge, Wälder, der Ozean, Wolken, die gemütlich in die Länge gezogen sind, dabei aber der Sonne genug Platz lassen, alles im besten Licht erscheinen zu lassen.

Sind nun bereits im Süden der Südinsel (wilde Natur und rauhe Küsten) gewesen und durften das Fjordland (Milford Sound, Glühwurm-Höhlen und Dschungel-Feeling) sowie den Franz-Josef-Gletscher bestaunen. Und immer wieder sind wir verzückt von den unterschiedlichen Landschaften, in denen wir aufwachen dürfen. Schon wieder was zum Staunen: mitten im Niemandsland - hier scheint meilenweit keiner zu wohnen - mäht doch tatsächlich jemand Rasen. Und so sieht es hier auch überall aus: ordentlich, sauber, fast wie gemalt. Wir sind nun in Richtung Norden unterwegs, fahren aber doch dem Sommer und der Wärme hinterher, tja, so ist es hier in Down Under, alles ein wenig verdreht und verrückt. Wo gibt’s sowas schon, bei 0 Grad nachts in den Bergen zu frieren und kurz drauf bei 35 Grad am Strand zu schwitzen, auf dem Gletscher zu stehen und noch am gleichen Tag am Strand die Sonne im Meer versinken zu sehen, die Uhr auf Winterzeit umzustellen, wo wir doch eigentlich zu Hause auf Sommerzeit umgestellt hätten? Und schon wieder hab‘ ich ein Déjà-vu: wir fühlen uns an zu Hause erinnert. Hier sieht’s doch aus wie in den Alpen! Aber die Kühe fehlen; stattdessen: unzählige Schafe, freche Papageien, winkende Robben …  und Palmen! Dazu diese Küsten – mal schroff und unzugänglich, mal in Form menschenleerer Traumstrände.
Was aber insbesondere anders ist und uns am meisten rührt sind die Farben: sie sind satter, kontrastreicher, das Grün der Wiesen grüner, das Blau des Himmels blauer. Die Sonne ist unbekannt intensiv und der Mond teilweise so hell, dass man nachts keine Taschenlampe braucht. Im Vergleich zu zu Hause ist es, als ob hier der Schleier fehlt. So kann die Sonne uns direkt ins Herz scheinen. Glücksmomente! Unzählige davon. Weitab von allem, was sonst ärgert und belastet. Meine beiden Mini-Weltenbummler zupfen mich am Arm, „Komm Mama, weiter“! Sie haben die Wanderlust für sich entdeckt. Kaum zu glauben. Aber jetzt machen wir erstmal eine Pause. Die Kinder holen sich von allein Stöcke und Steine am Strand und geben ein Konzert. Mit Gesangsuntermalung. Papa filmt. Was für ein Bild! Könnte es doch immer so sein!

Nordinsel - weiße Strände
Den Grüffelo hätten wir hier ja nicht vermutet. Aber was wir im Schwefelland Rotorua beim Wildcampen nachts für ein Grunzen gehört haben, war sicher Grüffelo - oder ein naher Verwandter. Wie unheimlich! Gezeigt hat er sich letztlich nicht, aber irgendwie waren wir dann schon froh, als wir auf dem verlassenen Parkplatz doch noch Nachbarn bekommen haben. Dennoch sind wir inzwischen eher zu Wildcampern geworden. Was für eine Freiheit! Campingplätze nutzen wir nur noch, wenn wir wirklich dringend Wäsche waschen oder eine „dumping station“ brauchen (das Entleeren ist für die Kids immer besonders spannend). Wir genießen die Wildheit. Und die findet man hier überall. Nachdem wir unsere Nasen in die Schwefelgase von Rotorua halten, Geysire spucken und Schlammlöcher blubbern sehen durften, genießen wir nun auf der Coromandel-Halbinsel - fast schon im Norden der Nordinsel - wiederum wilde und menschenleere Strände. Südseeflair inklusive. Hier könnte man leben. Besonders besuchenswert sind sicher auch die Pools des Hot Water Beach. Hier kommen Familien in Scharen mit Schaufeln bewaffnet an, um sich selbst ein Loch zu graben. Aufgrund geothermischer Aktivität kann man sich hier sein eigenes Wellness-Bad schaufeln – und stundenlang genießen. Oder zumindest solange die Ebbe anhält. Dennoch: im Norden Neuseelands geht es irgendwie zivilisierter zu. Ist auch gut so, denn wir müssen uns langsam wieder auf die Rückkehr ins normale Leben einstellen. Schließlich hat uns bald die Realität wieder, und in der leben wir ja leider nicht in aller Abgeschiedenheit im Camper: nur die Natur und wir. Könnten uns allerdings schon daran gewöhnen.

Besonders gefallen uns Begegnungen wie diese: Pass überquert – überlebt, nicht abgestürzt, Campervan souverän gesteuert und dann werden wir am Ende einer langen Serpentine von einer Horde Mini-Schweine gestoppt. Ihr Herrchen, Stewart, fordert uns auf, diese doch mal auf den Arm zu nehmen. Will er Geld für’s Foto? Nein. Er ist einfach nur offen, ehrlich und herzlich, wie alle hier. Er erzählt uns viele Geschichten über seine kleine Schweinefarm, die seine Familie ist, dass die Schweinchen eben erst einen Tag alt sind und dass er uns gar nicht glauben kann, dass wir als Europäer an Weihnachten manchmal Schnee erleben dürfen. Denn dann ist ja in Neuseeland Hochsommer! Das Schweinchen in meinem Arm quiekt und ich meine mich zu erinnern, dass keines meiner Kinder je so laut war, wenn es Hunger hatte. Aua!

Wir steuern nun auf die Multikulti- und Millionenstadt Auckland zu. Aufgrund der Schweinchen und des Wasserfalls, in dem wir, die unverbesserlichen „Großen“ unbedingt noch baden wollten, kommen wir leider mit Verspätung an. Wir sind mit Freunden verabredet, die vor zwei Jahren als Briten nach Neuseeland ausgewandert sind. Sie wollen uns die nächsten Tage das wundervolle Auckland und die umgebenden Strände zeigen. Aber das wird wohl auf morgen verschoben. Kein Stress bitte – macht ja nichts, die Neuseeländer – Kiwis – wie sie sich selbst aufgrund der Affinität zum flugunfähigen nationalsymbolistischen Nachtvogel nennen – sehen das nicht so eng. Genießen und leben steht hier immer an erster Stelle. Diese Einstellung nehmen wir mit nach Hause!

Autorin: Claudia Hannes
www.regensburger-uebersetzer.de.
Reisetipps: www.camperboerse.de

Emily und Domi im Schnee: „Gletscher-Trip zum Franz Josef Glacier“....
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... und am gleichen Tag: Sonnenuntergang an der West Coast“
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Zak, Emily, Domi auf den Spuren der Drei Gefährten.
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