Im Namen der Löwen
In Südafrika retten EcoKids
Tiere & Umwelt.
Das spannende Projekt wird von der
TUI Care Foundation unterstützt
Reportage von Maria Burges


„Pssst. Ganz leise! Wir müssen alle ganz leise sein. Sonst verschrecken wir sie!“ Joris Bertens flüstert und eine Handvoll Kinder hören ihm aufmerksam zu. Zusammen mit seinem Chef-Ranger Elias Shai ist Joris mit fünf Kindern zu Fuß im Busch im Krüger Nationalpark unterwegs. Die Kinder sind junge Mitglieder der EcoKidz, einer Organisation, die Joris gegründet hat, um einheimischen Kindern ihre Umgebung, ihre Natur und ihre Tierwelt näher zu bringen... und somit die Zukunft zu verändern.

Wir beobachten eine Herde Elefanten. Vorsicht ist geboten. Denn wenn man Elefanten stört, kann zweierlei passieren: sie laufen weg - oder sie greifen an. Denn dies hier ist ihre Welt, in der wir Gast sind. Joris und Elias sind bewaffnet und sie gehen nur in sehr kleinen Gruppen in die Wildniss. Aus Sicherheitsgründen. Die Kinder befolgen Joris´ Anweisungen. Sie schweigen und staunen. Auch wir staunen, mit Demut. Überwältigend schön ist der Anblick der Elefantenfamilie. „Der Wind steht gut für uns“, flüstert Joris. Er bläst unseren Geruch von der Herde weg. Sonst hätten die Elefanten uns längst gewittert.“

Joris Bertens ist Holländer und lebt seit 24 Jahren in Südafrika. Als Urlauber kam er seinerzeit ins Land - und blieb. Liebe auf den ersten Blick. Er erwarb eine kleine Lodge, direkt am Krüger Park, baute sie aus und ist heute Inhaber mehrerer Lodges, der Sefapane Lodges, mit Zugang zum Park. Joris ist ein von Leidenschaft getriebener Mensch. Und eine seiner größten Leidenschaften ist die Natur, der Umwelt- und Tierschutz. Doch damit ist´s weit her in Afrika. „Die Menschen hier haben andere Sorgen, als an den Umweltschutz zu denken“, erklärt er. „Die meisten Familien wissen nicht, was sie zum Abendbrot auf dem Tisch haben werden. Abfall trennen? Man schmeißt ihn in den Fluss, dann schwimmt er weg. Problem gelöst!“ Die Auswirkungen dessen sind verheerend: Die Flüsse sind verschmutzt, Plastik weht durch den Busch und - besonders dramatisch - Tiere werden gewildert. „Vor allem das Nashorn ist akut vom Aussterben bedroht“, erklärt Joris. „Ihr Horn ist ein Millionenbusiness. Bis zu 12 kg Horn bringt ein totes Nashorn. Auf dem Schwarzmarkt werden bis zu 60.000 Euro pro kg bezahlt. Die Wilderer selber erhalten immerhin rund 50. bis 60.000 Rand (3.500 Euro) pro Fang. Das ist mehr als ein Jahresgehalt. Ein Wilderer ist daher in diesen Breitengraden kaum geächtet. Im Gegenteil: Er kann sich etwas leisten, kann angeben und hat somit schnell den Respekt seines Stammes.“

Viele Nächte lang ist Joris als Freiwilliger Patrouille im Nationalpark gegangen, um Wilderer zu stören. Heute ist diese Arbeit lebensgefährlich geworden. „Früher waren die Wilderer zu dritt: Einer hatte eine Waffe zur Verteidigung, einer hatte die Waffe, um das Tier zu töten und der dritte hat die Beute getragen. Heute sind die Wilderer in großen Gruppen mit AK 7 unterwegs. Wenn man sie stört, kommt eine Salve aus einem Maschinengewehr. Es ist ein Krieg, der hier tobt“, erzählt Joris. Wird ein Wilderer gefasst, wird er vom korrupten Justizsystem nicht wirklich bestraft. Denn die Köpfe der Nashorn-Mafia haben das nötige Budget zur Bestechung. 1000 Nashörner werden jedes Jahr getötet; 4 alleine während meines Aufenthaltes im Park. Bald werden die Nashörner ausgerottet sein.

„Die Kinder! Wir müssen die Kinder erreichen“, überlegte sich Joris und entwickelte das Sefapane EcoKidz Programm, mit dem er mittlerweile über 2000 Kinder im Jahr erreicht. Eigens geschulte Mitarbeiter besuchen die Kinder wöchentlich in den Schulen der Region und bringen ihnen bei, welche Auswirkungen ihr Abfall im Wasser hat. Die meisten Kinder hier kommen aus zerrütteten Verhältnissen: Der Vater ist weg, die Mutter lebt von der Sozialhilfe. Sie haben kaum ein Dach über dem Kopf. Umweltschutz existiert in ihrer Welt nicht. Sie fällen wahllos Bäume, für den Eigengebrauch. Heute gibt es kaum mehr einen Baum. Und es herrscht akute Wasserknappheit. Die Kinder hier träumen nicht davon, Tiere zu schützen. Sie träumen davon, vor dem Schlafengehen etwas zu Essen zu haben. Umweltschutz war nie auf ihrer Tagesordnung. Noch nicht!

Seit drei Jahren bringen Joris´ Mitarbeiter den Kindern nun ein Basisbewusstsein für ihre Umwelt bei. In der Lulekani Primary School hat Nyeleti Ngobeni einen Turm aus Dosen aufgebaut: Die unterste Dose ist mit einem Bild mit Wasser beklebt. Die Dose darüber stellt das Grün dar. Die nächste Dose ist das Tier und die höchste ist der Mensch. Der Mensch ist der Chef über allem, erklärt sie. Der Mensch isst das Tier. Das Tier frisst das Gras. Und das Gras braucht Wasser. „Was passiert, wenn ich die Wasser-Dose aus dem Turm ziehe?“ fragt Nyeleti. „Dann fällt der Turm um“ rufen die Kinder – alle im Alter von 8 bis 12 Jahren. „Richtig!“ erklärt die junge Lehrerin. „Wenn wir das Wasser nicht schützen, geht alles kaputt. Das Gras wächst nicht mehr, die Tiere, die es trinken, werden krank und der Mensch hat nichts mehr zu essen.“ Die Kinder staunen. Ich blicke in große, neugierige Augen. Es klickt in ihren Köpfen.

Als nächstes geht es nach draußen. Vor ein paar Tagen hatte Nyeleti mit den Kindern Papiermüll gesammelt. Das Papier zerschnitten sie in Schnipsel und ließen sie tagelang in Wasser einweichen. Nun zeigt Nyeleti den Kindern, wie man aus diesem Abfall Kohleersatz macht - zum Heizen und zum Kochen: „Nehmt euch eine Handvoll Papier, quetscht das Wasser raus, dann rollt ihr einen runden Ball und nun legen wir diesen Ball zum Trocknen in die Sonne.“ Nyeleti macht es vor und die Kinder machen es ihr begeistert nach. Im Nu ist ein kleiner Berg zusammen. In der Sonne trocknen die Bälle nun. Die Kinder dürfen sie dann mit nach Hause nehmen und stolz ihrer Familie präsentieren. Zweierlei Botschaft erfahren die Kinder hier: Abfall recyclen und den praktischen Nutzen.

Dann dürfen die Kinder Bäume pflanzen: Moringa Bäume. Der Moringa Baum – auch Lebensbaum genannt – wächst gut in Afrika. Er kommt mit sandigem Boden und wenig Wasser aus. Das Pulver des Baumes wird zum Würzen und in der Medizin verwendet. Eifrig buddeln die Kinder mit ihren Händen Mulden in den Boden. Behutsam setzen sie die jungen Pflanzen ein, schütten die Löcher mit Sand zu und wässern die jungen Bäume. Von nun an werden sie jeden Tag nach ihren Bäumen sehen und sie hoffentlich beim Wachsen beobachten.

Wer beim Umweltunterricht besonders gut aufpasst und sich engagiert, hat die Chance, als EcoKid in Joris´ Kinder-Camp eingeladen zu werden. Am Rande des Krüger National Parks hat Joris ein Zeltcamp inmitten der Wildnis aufgebaut: wie bei Jurassic Park umzäunt, freilich, damit die wilden Tiere vor allem nachts draußen bleiben. In Jeeps geht es über Stock und Stein in den Busch. Obwohl die Kinder hier allesamt direkt neben dem Park leben, ist es für die meisten der erste Ausflug hierher. Denn für einen Ausflug in den Park braucht man ein Fahrzeug, was die meisten Familien nicht besitzen. Auch den Eintritt, der zwar für Einheimische verringert ist, können sie sich allesamt nicht leisten. Am Abend wird im Camp gemeinsam gekocht. Die einen Kinder schnibbeln, die anderen decken die Tische. Mit viel Vergnügen. „Keine Schule. Juhuu!“ schwärmen sie alle. Bei Dunkelheit ist Nachtruhe und wir lauschen den Geräuschen der Wildniss.

Am nächsten Tag geht es in kleinen Gruppen aus dem umzäunten Bereich hinein in den Park. Joris und Elias sind bewaffnet. Für alle Fälle. Wir lesen Spuren und folgen dem Lauf eines Flusses. In der Ferne entdecken wir riesige Krokodile, die sich am Ufer sonnen. Nicht weit weg grasen Antilopen. „Welches Tier ist hier im Park am gefährlichsten“, fragt Joris die Kinder. „Der Löwe!“ „Das Krokodil!“ „Das Nashorn!“ raten die Kinder. Es ist das Nilpferd, erfahren wir. „Die meisten Menschen hier werden von Nilpferden getötet. Denn sie sind extrem aggressiv. Und sie sind schnell. Schneller als wir alle zusammen“, erklärt Joris. Wir staunen.

Dann entdecken wir die Herde Elefanten. Joris hebt seine Hand für ein „Stop“. Nun heißt es Schleichen... und mucksmäuschen still sein. Noch nie zuvor war ich zu Fuß auf Safari. Eine überwältigende Erfahrung. Ich schieße zig Fotos und lege dann die Kamera weg. Innehalten. Genießen. In Ehrfurcht inne halten.

Zurück im Camp sind die Kinder nach den vielen Eindrücken überwältigt. Die 13jährige Makumbi Princess resümiert: „Wir müssen unbedingt die Menschen davon abhalten, die Tiere zu töten!“ beschwört sie. „Und wir müssen ihnen beibringen, dass sie keinen Müll mehr in den Fluss werfen. Damit zerstören sie unsere Umwelt. Und das bringt die Tiere auch um!“ „Heute wurden hier keine Tiere gewildert“, sagt Tumelo Mokwelepa, 13 Jahre alt. „Weil wir hier waren! Wir müssen den Menschen beibringen, keine Nashörner mehr zu töten. Wenn sie Medizin brauchen, sollen sie ins Krankenhaus gehen und nicht mehr das Nashornpulver nehmen!“

Joris Bertens liegt mit seinem EdoKidz Projekt goldrichtig. Einen Beschützerinstinkt kann man nur entwickeln, wenn man etwas schätzen und lieben gelernt hat. Indem er Kindern ihre Umwelt erklärt und sie auf die Auswirkungen des fehlenden Umweltschutzes aufmerksam macht, initiiert er ein Umdenken. „Kinder sind unsere Zukunft. Wir müssen bei ihnen anfangen. Alles was sie lernen geben sie an ihre Familien weiter.... und natürlich an die nächste Generation.

 

Autorin: Maria Burges. 2018

 

Joris Bertens erklärt den Kindern die Wildness
Joris Bertens erklärt den Kindern die Wildness
Ganz leise.... Da hinten sind Elefanten
Ganz leise.... Da hinten sind Elefanten
Bewaffnete Soldaten richten in der Regel nicht viel gegen Wilderer aus
Bewaffnete Soldaten richten in der Regel nicht viel gegen Wilderer aus
Joris´ Camp im Busch.
Joris´ Camp im Busch.
Hier bringt er den Kindern ihre Umgebung näher
Hier bringt er den Kindern ihre Umgebung näher
In dieser Schule bringen Joris´ Mitarbeiter den Kindern Umweltbewusstsein bei
In dieser Schule bringen Joris´ Mitarbeiter den Kindern Umweltbewusstsein bei
Nyeleti Ngobeni mit ihrer Dosen-Pyramide
Nyeleti Ngobeni mit ihrer Dosen-Pyramide
Die Kids sind stolz auf ihre Papier-Bälle
Die Kids sind stolz auf ihre Papier-Bälle
Ranger Elias Shai (links) mit TUI Care Foundation Mitarbeitier Napoleon von Sanden, der sich vor Ort über das EcoKids-Projekt informiert
Ranger Elias Shai (links) mit TUI Care Foundation Mitarbeitier Napoleon von Sanden, der sich vor Ort über das EcoKids-Projekt informiert
Während unseres Aufenthaltes im Park haben wir kein einziges Nashorn gesehen. Das ist bezeichnend für den dramatischen Rückgang. Dafür hatten wir das unglaubliche Glück, so nah an dieses Löwenpaar zu kommen.
Während unseres Aufenthaltes im Park haben wir kein einziges Nashorn gesehen. Das ist bezeichnend für den dramatischen Rückgang. Dafür hatten wir das unglaubliche Glück, so nah an dieses Löwenpaar zu kommen.
Mit viel Leidenschaft versucht Joris den Kindern ihre wunderschöne Umgebung ans Herz zu legen.
Mit viel Leidenschaft versucht Joris den Kindern ihre wunderschöne Umgebung ans Herz zu legen.

 

 

Autorin

Maria Burges (3. v. l.)

mit Joris Bertens (rechts)

und den Kindern im Busch.

 



TUI Care Foundation

Unterstützung für die EcoKids

Unterstützt wird das EdoKidz-Projekt von der TUI Care Foundation. „Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Schlüssel für uns“, erklärt Napoleon von Sanden von der TUI Care Foundation. „Wir versuchen weltweit Programme zu fördern, sie sich für Nachhaltigkeitsthemen wie Artenvielfalt, Klimawandel, Tierwohl, Abfallwirtschaft und Menschenrechte engagieren - und das nicht nur in den Gebieten, in denen die TUI touristisch vertreten ist.“ Bis 2020 möchte die TUI Care Foundation insgesamt 100.000 Kindern die Chance auf ein besseres Leben ermöglichen.

 

Bisher unterstützt die Foundation u.a. Projekte in Curacao, Mexiko, Kap Verde, Namibia, Lanrazote, Sansibar, Tansania und der Domenikanischen Republik.

 

Die Gelder dazu kommen von Urlaubern. Bei jeder TUI-Buchung kann man spenden. Das Gute daran: Jeder Cent landet bei den Projekten. Die Verwaltung der Foundation wird von der TUI Group bezahlt.

Informationen zur TUI Care Foundation unter
www.tuicarefoundation.com

Hier kann man auch für Projekte der Foundation spenden. Mit ab 5 Euro ist man nachhaltig dabei.

TUI Care Foundation Mitarbeitier Napoleon von Sanden, der sich vor Ort
TUI Care Foundation Mitarbeitier Napoleon von Sanden, der sich vor Ort


Unser Unterkunft- & Safari-Tipp für Südafrika:

 

Sefapane Lodges & Safaris.

Phalaborwa

Kruger National Park

Limpopo Province

www.sefapane.co.za

Unembeza
Boutique Loges & Spa
www.unembeza.com



Video zum EcoKids-Programm: