Resistente Darmbakterien als Souvenir

Hände weg von Antibiotika bei Reisedurchfall

Bei Reisen in manche Länder leiden bis zu 80 Prozent der Urlauber unter einer Durchfallerkrankung. Foto: Fotolia
Bei Reisen in manche Länder leiden bis zu 80 Prozent der Urlauber unter einer Durchfallerkrankung. Foto: Fotolia

Keine andere Krankheit tritt auf Reisen so häufig auf wie eine Durchfallerkrankung. Forscher warnen nun davor, bei normalen Krankheitsverläufen ein vorsorglich mitgenommenes Antibiotikum einzuneh- men. Denn der Nutzen dieser Therapie ist gering, das Risiko, als Souvenir resistente Darmbakterien aus dem Urlaubsland einzuschleppen, wird jedoch erhöht.


Wer in den Tropen oder Subtropen Urlaub macht, kehrt möglicherweise mit einer veränderten Darmflora nach Hause zurück. Diese Aussage scheint nicht besonders aufregend zu sein, doch finden sich in der Darmflora der Heimkehrer besonders oft resistente Keime, von denen man weiß, dass sie potentiell gefährlich sind.


Finnische Forscher wollten wissen, welche Risikofaktoren die Mitnahme resistenter Darmbakterien aus dem Urlaub begünstigen. Dafür untersuchten sie Stuhlproben von mehr als 400 Reisenden vor und nach ihrem Urlaub in exotischen Gefilden. Die Wissenschaftler fanden mehrere Risikofaktoren. So spielt natürlich eine Rolle, wo genau man Urlaub macht. Es gibt Regionen, in denen sich besonders viele Touristen mit resisten- ten Erregern anstecken, z. B. in Südasien. Ein weiterer Risikofaktor ist ein Reisedurchfall: Wer damit zu kämpfen hatte, kehrte eher mit resistenten Keimen im Darm nach Hause zu- rück, was ja auch eigentlich zu erwarten ist.


Überraschend ist aber die Erkenntnis, dass eine Behandlung des Reisedurchfalls mit Antibiotika die Besiedelung mit resistenten Keimen noch zusätzlich fördert. Die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler: Urlauber sollten alles tun, um einer Reisediarrhö vorzubeugen. Sollte sie „Montezumas Rache“ aber dennoch treffen, ist es bei leichtem bis mittelschwerem Verlauf ratsam, auf eine Selbstbehandlung mit Antibiotika zu verzichten. Die bringen sowieso nicht so viel, wie manch einer glauben mag: Einer Metaanalyse zufolge verkürzen Antibiotika die Krankheitsdauer nur um etwa einen Tag, nicht mehr als andere Mittel wie Probiotika. Diese führen aber nicht zu einem erhöhten Risiko für eine Besiedelung mit resistenten Keimen.


Durchfall im Urlaub: So können Sie den Krankheitsverlauf einordnen

  • Ein Reisedurchfall kann den Urlaub vermiesen, ist aber in der Regel nicht lebens- bedrohlich.

  • Bestehen außer Durchfall nur Übelkeit, Bauchschmerzen oder Stuhldrang, spricht man von einer unkomplizierten Reisediarrhö, die keine Antibiotikabehandlung not- wendig macht.

  • Bei blutig-schleimigen Stuhlbeimengungen und/oder Fieber ist von einem schweren Krankheitsverlauf auszugehen. In diesem Fall sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, der beurteilen kann, ob Antibiotika sinnvoll sind.


dgk.de